Segelfluggruppe Dittingen

Wellenflug 15.11.2020 von Emanuel Stub und Fabian Durrer

Fabian Durrer und Emanuel Strub konnten auch nach Ende der eigentlichen Saison noch einen beeindruckenden Flug durchführen - wie das geht? Fabian hat sich verdankenswerter Weise die Zeit genommen uns das in einem Bericht zu erklären. Danke Fabian! Nun wünsche ich viel Vergnügen beim Lesen dieses spannenden Beitrags.

Vorbereitung

Alles begann an der RM in Courtelary. Wie so oft an Wettbewerben, gab es auch dieses Mal Ruhetage wegen schlechtem Wetter. Yves Gerster hat uns als Schlechtwetterprogramm einen Vortrag über das Wellenfliegen geben. Seither schaue ich regelmässig die Wellenprognosen an. Letzte Woche wurde schon relativ früh für den Sonntag Südwind vorhergesagt. Am Samstag habe ich dann die Skysight Prognose etwas genauer studiert. Diese prognostizierte eine schwache Welle über Delémont. Am Sonntagmorgen war ich noch nicht so optimistisch, da ich dachte dass es zu dem Zeitpunkt bereits zu viel Wind auf dem Flugplatz haben würde. So hätte nicht gestartet werden können. Ich verabrede mich trotzdem mit Manu um 12 Uhr auf dem Flugplatz. Bereits auf dem Weg zum Flugplatz sah die Optik vielversprechend aus.           

Bild1 Delemont            

Blick Richtung Delemont                                                                     

Auf dem Flugplatz angekommen hat sich herausgestellt, dass der Wind im Moment noch kein Problem darstellt. Also haben wir die beiden Discen aus dem Winterschlaf genommen und für den Flug bereit gemacht. Um 13:30 waren wir bereit für den ersten Start. Kurz vor dem Start haben wir uns nochmal die aktuellste Skysightprognose angeschaut. Das Zentrum der Welle sollte sich ziemlich genau über Delémont befinden und ab 2000m mit ca 1.5m/s steigen. Da wir beide noch nie in der Welle geflogen sind hat uns Philipp die wichtigsten Tipps gegeben.

Bild2 ManuBild3 Fabian

Bereit für den Start: Das Wichtigste beim Wellenfliegen ist warme Kleidung, da gehören die Boots natürlich dazu.

Start
Am Boden hat es vor dem Start immer noch wenig Wind. Die Wellen die vorher noch optisch so schön ausgesehen haben, sind jetzt weg. Daher waren wir vor dem Start nicht mehr so optimistisch, dass dies doch noch klappen wird. Als erster startete Manu Er meldete mir am Funk, dass es wohl nicht der entspannteste Schlepp werden wird. Also alles schön verstauen und die Gurten gut anziehen. Nach 20 min landete die Dimona wieder in Dittingen und ich klinkte mich hinter ihr ein. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, dass Emanuel Steigen gefunden hatte. Der Start verlief bis zur Sicherheitshöhe ruhig, dort wurde es dann aber sehr turbulent. Im sehr turbulenten Gegenwind ging es gefühlt eine Ewigkeit bis wir Delémont erreichten. Über Delémont wurde es dann tatsächlich viel ruhiger, auch das Vario bewegte sich langsam gegen Vollausschlag. Also habe ich mich in 1800m ausgeklinkt und die Fahrt bis auf 80km/h zurückgenommen. Normalerweise würde jetzt der Discus nicht mehr fliegen, doch in der Welle ist die Luft so ruhig und laminar, dass es immer noch ohne Bedenken geht. Mit einem knappen Meter stiegen wir nun. Der Wind zeigte zu diesem Zeitpunkt 40 km/h aus 220 Grad an. Manu hatte bereits Zeit um die erste Fotos zu schießen.

Bild4 Chasseral                 

Blick Richtung Chasseral                                                                                                                           

Da die Tangos ausnahmsweise mal nicht aktiv waren, konnten wir bis auf FL100 (ca 3000m) ohne Freigabe steigen. Da es dann immer noch gestiegen ist, haben wir uns bei Zürich Delta eine Freigabe bis auf FL 110 (ca 3300m) geholt. Von dieser konnten wir dann aber leider keinen Gebrauch machen, da wir von lauter Funken aus der Welle geworfen wurden. Als wir dann wieder unter 2800m gesunken sind hat uns der Fluglotse wieder abgemeldet. Später wollten wir nicht wieder Anfragen. Also sind wir im Delémont Becken hin und her geflogen. Der Osten lief deutlich besser als der Westen. Ich nehme an, dass vom Raimeux eine weitere Welle ausgelöst wurde. Weiter haben wir uns nicht getraut. Optisch gesehen wäre die nächste Welle in Olten gewesen. Diese war für uns dann aber zu weit weg.

Am Funk meldete sich Philipp, dass der Wind jetzt am Boden angekommen ist und wir viel Seitenwind bei der Landung haben würden.

Bild5 Cockpit

Ungewohnter Blick auf dem Fahrtmesser und den Endanflugrechner, mit 75km/h Rückenwind hatten wir 2000 m plus auf Dittingen.

Das beste Steigen haben wir hinter dem Raimeux gefunden. Der Wind wurde gegen Abend oben stärker, mittlerweile sind es 75km/h und man konnte also an Ort und Stelle stehen bleiben. Auf 3000 m war es für Mitte November mit 0 Grad noch angenehm warm. Trotzdem war ich extrem froh, dass wir vor dem Start die Boots angezogen haben. Diese haben unsere Füsse angenehm warm gehalten.

Bild6 ZDBild7

Die Sonne wandert langsam gegen den Horizont, es wird Zeit um noch ein paar Fotos zu schiessen .

Um 16:00 Uhr entscheiden wir uns, gestaffelt Richtung Flugplatz zu fliegen, so dass wir uns auf keinen Fall gegenseitig beim Landen stören. Vor dem Abgleiten habe ich die Gurten nochmal richtig fest angezogen und alles gut verstaut. Ab 2000m hat es wieder extrem angefangen zu Schütteln. Im Lee und mit Groundspeed 240km/h geht es sehr schnell Richtung Flugplatz. .Manu landete problemlos als Erster, bei meiner Landung hatte es aber deutlich mehr Seitenwind. Ich flog extra hoch und mit einer Anfluggeschwindigkeit von ca.160km/h an. Die Turbulenzen waren so stark, dass keine richtige Geschwindigkeit vom Fahrtmesser abgelesen werden konnte. Es wurde erst wieder ruhiger, als ich beim Hangar vorbeiflog und in den Windschatten der Bäume komme. Ich war erleichtert als ich den Discus sanft vor dem Weg aufsetzten konnte.

Fazit

Für mich ist es ein weiteres Saison Highlight das ich wohl so schnell nicht mehr vergessen werde.

Es ist also möglich, von Dittingen aus in einer Welle im Jura zu fliegen, jedoch muss Vieles stimmen. Erst jetzt realisierte ich, dass wir viel Glück hatten. Wäre der Wind nur 5min früher auf den Flugplatz gekommen hätten ich gar nicht starten können.

Für alle, die auch mal von Dittingen aus in der Wellen fliegen möchten, empfehle ich die Skysight Wellenprognose. Ich habe den Flug über die Prognose gelegt und diese stimmt fast perfekt.

Für die Landung kann ich folgende Tipps mitgeben:

Motorfluganflug entlang der Kante, genug hoch, genug schnell. Aiming point auf den Querweg.

Ein großes Dankeschön für den Schlepp Philipp und für die Hilfe am Boden Gaby. Ohne die beiden hätten wir den Flug nicht durchführen können.