BFK Samedan, Woche 1

Reto Cajacob berichtet von seinen fliegerischen Erlebnissen direkt aus dem Oberengadin:

 

Vorbereitung und Anreise

Kaum zu glauben, an was ich alles denke musste zum Mitnehmen. Schnell war mir klar, dass hier nur eine Checkliste hilft. Diese möchte ich für zukünftige Teilnehmer eines BFK nicht vorenthalten.

Weil ich noch nie mit einem Anhänger und schon gar nicht mit so einem Monstrum gefahren bin und ich doch die einte oder andere Geschichte über den Rank in Dittingen gehört habe, hatte ich an einem Abend eine Fahrstunde bei Hans-Peter gebucht. Vielen Dank Hans-Peter! Der Rank ist tatsächlich das Pièce de résistance! Für Neulinge kann ich den Tipp geben, dass Jemand dabei sein sollte, der schaut ob es hinten auch wirklich reicht.

Dank der Unterstützung von Michi und Philipp Glogg war für mich auch klar, wie der Hänger korrekt und komplett zu beladen ist. Am Sonntag ging es dann los. Wider erwarten war die Fahrt mit 80 km/h gar nicht so langweilig, weil es vor allem in Tunneln wichtig ist, einigermassen die Spur zu halten. Zusätzlich schwankt der ganze Zug immer ein bisschen, was wiederum erhöhte Aufmerksamkeit erforderte. Zum Glück sind beim Halt auf der Raststätte Heidiland gleich hinter mir eine Gruppe aus Schaffhausen mit ihrer Arcus angekommen. Die haben mir geraten, via Vereinatunnel zu verladen, da es auf der Julier-Strecke scheinbar einige enge Baustellen gibt. Das habe ich dann auch gemacht und bin der Arcus hinterhergefahren. Das Verladen war problemlos und vermutlich wesentlich entspannter als die Julierpass Route.

Am Flugplatz Samedan angekommen, war das Finden des Hängerparkplatzes kein Problem und so war ich den Hänger mit etwas Erleichterung schon mal los. Gleich wurde uns vom Windenfahrer die Winde in Aktion vorgestellt. Diese verfügt über vier erstaunlich dünne je 1'200m lange Nylonseile. Auch diese reissen jedoch ab und zu! Überrascht war ich, dass diese ähnlich wie ein Stahlseil innert kurzer Zeit mittels Spleisen geflickt werden können.

  1. Tag

Bei wunderschönem mildem Wetter (wieso habe ich all die warmen Klamotten mitgenommen?) und die ersten Cummuli schon um 9 Uhr fand um 10 Uhr das 1. Briefing statt. Hierzu ging es primär um den Betrieb und die Betriebsverfahren am LSZS. Zwei Kursbesucher waren für den gesamten Kurs zusammen eingeteilt. Alle 3 Tage wechselte der Fluglehrer und der Flieger. Gemäss Plan war die ersten 3 Tage unsere DG-1001 für uns eingeteilt. Fluglehrer war Jürgen Pechmann, der schon seit mehreren Jahren beim BFK dabei ist und vor über 40 Jahren (damals noch in der DDR) mit dem Segelfliegen angefangen hat.

Um 13:30 war ich am Start, habe einen ordentlichen Windenstart hingelegt und mich mit Unterstützung des Fluglehrers relativ rasch am Hang bei Muottas Muragl hochgearbeitet. Wir waren schnell auf 3’600m und sind bei guter Thermik bis in das Münstertal geflogen. Danach haben wir einen Abstecher in das Bernina-Massiv gemacht. Da für diese Jahreszeit noch viel Schnee lag, war das weisse Panorama unglaublich!

  1. Tag

Beim Briefing hat uns Domenic Planta wertvolles Wissen zum Hangflug vermittelt. Nachdem Max Lamm (75 Lenze alt!), ein alter lokaler Hase der SG Muottas, am Briefing des 1. Tages auf den Abend ziemlich schlechtes Wetter vorhergesehen hat und es aber trotzdem bis nach 20 Uhr sehr freundlich war, war ich gespannt auf den nächsten Wetterbericht. Und wieder soll es ab 17 Uhr 8/8 bewölkt sein. Somit habe ich mich schon darauf eingestellt heute nicht fliegen zu können, da ich für die 2. Schicht eingeteilt war. Trotzdem Start um 16:30 Uhr. Diesmal waren wir am Hang leider in ein ziemliches Gewusel geraten. Jürgen hat die entscheidende Idee es weiter hinten bei Pontresina am Schafsberg zu versuchen. Das hat sich gelohnt. Die restliche Horde ist uns dann auch gefolgt, als diese sahen, dass wir hier wegkommen. Heute konnten wir uns auf knapp 4'000 m hochschrauben und ich konnte erstmals erleben wie denn so eine Sauerstoffanlage funktioniert. Nach 2 Stunden gab es die eine oder andere Überentwicklung in der Region Zernez mit leichtem Graupelschauer und Regen. Wieder in Richtung Oberengadin hat dann wieder die Sonne geschienen und es hat noch gereicht für einen Abstecher über das Corvillia Gebiet und die Julierpass-Strasse. Nach etwas über 3 Stunden wieder Boden unter den Füssen hat gutgetan.

  1. Tag

Nachdem ich die ersten beiden Tage saukalte Füsse in der Höhe bekam hat es vor dem Briefing gereicht für warme Skisocken zu kaufen. Das hat sich als einer der besten Entscheidungen dieser Woche herausgestellt. Am Briefing hat uns Andi Duppenthaler einen eindrücklichen Vortrag zum Windenstart gehalten. Da wurde Wissen vermittelt, welches bei den offiziellen Theoriefächern nicht enthalten ist! Nachdem uns Max für Nachmittag wieder schlechtes Wetter vorhergesagt hatte haben wir uns wieder bei prächtigem Sonnenschein an die Vorbereitungen gemacht. Es war ein Copy Paste Tag der letzten beiden Tage! Heute gings zuerst Richtung Unterengadin via Livignio-Stausee. Beim Reschenpass gut zu sehen die Kirchturmspitze, die aus dem Reschen-Stausee ragt. Problemlos konnten wir uns immer wieder auf die Basis von rund 3’800m hocharbeiten. Wieder zurück bis zum Roseggtal haben wir versucht entlang der Kreten wieder Höhe zu gewinnen. Ziemlich eingefahren war mir das Hocharbeiten entlang einer schroffen Felswand und danach noch relativ nahes Kreisen. Puuh, nichts für schwache Nerven!

Leider hat sich bei der DG-1001 ein Wackelkontakt eingeschlichen, indem sich die Funkanlage wärend dem Flug bei stärkeren Erschütterungen unvermittelt ausschaltet. Ein leichtes Klopfen am Cockpit hat wieder Leben eingehaucht. Am Abend haben wir die vordere Cockpitabdeckung entfernt und den vermutlichen Fehler beim Stecker lokalisiert. Dank Christoph – sein alter Mercedes ist eigentlich eine Werkstatt – bin ich zuversichtlich, dass der Funk nicht mehr ausfällt.

  1. Tag

Thema des heutigen Briefings war der Übergang vom Hangfliegen in einen Termikschlauch. Dabei habe ich mir die drei Faktoren gemerkt, welche vorausgesetzt werden müssen: Genügend Abstand zum Hang, zusätzliche Geschwindigkeit und es steigt. Danach noch zur Erinnerung das richtige (Ein-)Kreisen im Pulk.

Nach jedem 3. Tag wechselt der Fluglehrer und der Flieger. Ab heute war somit Patrik Hasler von der SG Basel-Fricktal und die DG-1001 der SG Skylark von Hausen am Albis. Weil die Instrumentierung fast identisch ist mit unserer DG gab es nicht viel zu erklären.

Weil sich langsam eine Kaltfront aus Südwesten ankündigt scheint es offensichtlich kaum Thermik geben zu können. Die ersten paar Starts haben dies auch bestätigt. Ausser Platzrunden gibt’s nix. Da Christoph heute zuerst an der Reihe war, hat er es auch zweimal mit dem gleichen Ergebnis versucht. Da sich vom Maloja her Regen ankündigt haben wir beschlossen den Flieger zu sichern und ins Restaurant des benachbarten Campingplatz Café und Kuchen zu nehmen. Nachdem die Sonne wieder scheint, die nächsten Starts, aber wiederum ohne Erfolg. Da sich der nächste Regen ankündigt, wurde beschlossen heute abzubrechen. Es hat gerade noch so vor dem Regen für den Abbau gereicht.

  1. Tag

Nebst dem Wetter hat Max an jedem Briefing mögliche Aussenlandeplätze erklärt. Die sind nicht wirklich üppig vorhanden, ziemlich eng, aber grundsätzlich gut landbar.

Weil es gegen Mittag schon leicht geregnet hat, hatte ich mich mental darauf eingestellt, dass heute nicht geflogen wird. Patrik und ich hatten dann auch beschlossen die DG nicht aufzubauen und haben uns wieder für 14 Uhr verabredet. Tatsächlich sah es erheblich freundlicher aus und beschlossen zusammen mit zwei anderen Teams zu starten. Dabei haben wir uns die unbenutzte Duo Disc der SG Muottas geschnappt, weil wir die DG nicht aufbauen wollten. Beim 1. Versuch konnten wir uns am Muottas Muragl bis 2’500m hocharbeiten und haben diverses versucht um wegzukommen, aber leider war nach einer halben Stunde Schluss. Beim 2. Versuch hat es jedoch geklappt und es hat gereicht für rund 1 ½ h Flug.

Am Abend hat das BFK-Leitungsteam ein gemeinsames Nachtessen im Restaurant Cambrena auf der Bernina-Passhöhe organisiert. Dabei hatten alle die Gelegenheit die lokale Spezialität Pizzocheri und Capunet zu probieren.

  1. Tag (Samstag)

Die Kaltfront beschert den ganzen Tag ausgiebigen Regen. Trotzdem wurde der Tag für Theorie genutzt. Christine Levy-Rothenbühler von der SG Muottas hat ein interessantes Referat über die regionalen Gletscher und deren enorm schneller Schwund gehalten. Bis 2030 dürften die Gletscher mehr oder weniger verschwunden sein. Wer mehr davon wissen möchte: Sie hat darüber auch ein Buch geschrieben, welches im Handel erhältlich ist (Wo sich Himmel und Eis berühren https://www.gletscherbilder.ch/buch-bernina-gletscher/ ).

 

Cockpit DG klein

Berninamassiv klein